Eine Torte im Cafe Sacher Wien…oder: Sachertorte muss nicht sein.

Einmal in Wien und für Tortenliebhaber empfiehlt der Reiseführer einen Besuch im Cafe Sacher. Nun gut, dass bedeutet, dass auch ich einen Besuch abstatten wollte. Also gut, auf geht es ins Cafe Sacher, direkt gegenüber der Staatsoper in Wien.

Aufgrund der Berühmtheit der Torte war mir schon klar, dass der Andrang groß sein wird – gerade zur Kaffezeit. Eine Sitzplatzreservierung erschien mir sinnvoll. Aber: Fehlanzeige! Man sagte mir, dass das ehrenwerte Café keine Reservierungen annehme, vor allem nicht am Wochenende. Auf die Frage, welches die beste Zeit ist, um nicht zu lange zu warten, antwortete man trocken: Am besten vormittags, so zwischen 10 Uhr und 11 Uhr (später wird sich herausstellen, dass es an der Torte liegt, warum niemand so früh dorthin geht 😉

Nun gut, ich entschied mich, am Samstag um 17.00 Uhr dort aufzuschlagen. Und ich hatte Glück, ich musste „nur“ 10 Minuten warten, bis ich plaziert wurde. Vor der Plazierung „nötigte“ man mich, meinen Mantel an der Garderobe abzugeben (selbstverständlich gegen 1,- EUR Gebühr). Anschließend durfte ich mich in das plüschrot eingerichtete Zimmer setzen, neben diversen anderen Touristen, die offensichtlich überwiegend US-amerikanischer oder asiatischer Herkunft waren. Die Speisekarte zeigte typische Elemente Wiener Cafés: Apfelstrudel, Quark-Topfen-Strudel und natürlich auch die Sachertorte mit „Schlagobers“ (Schlagsahne). Weiterhin wurden diverse Kaffee-Spezialitäten angeboten. Ich entschied mich für die Sachertorte und eine Wiener-Melange.

Kurze Zeit später überreichte der Kellner mir wortlos den Cafe und die Torte. Die Sachertorte ist sicherlich weltberühmt, aber ist ganz klar nicht meine Lieblingstorte geworden. Schokoladig, kompakt, süß, fast schon ein wenig trocken mit leichtem Pfirsich-Aroma. Die Wiener-Melange war zwar einzigartig durch ihre Kombination aus Sahne und Milchschaumhauber, aber kraftlos, wässrig, fast wie Automaten-Kaffee. Nachdem ich gerade den letzten Bissen der Torte heruntergeschluckt habe, war sofort der Kellner da und nahm mir den Teller weg. Das Signal war eindeutig: Bitte verlasse so schnell wie möglich das Café, damit Du Platz für den nächsten Touristen machst.

Und das machte ich auch. Denn richtig wohlgefühlt habe ich mich in diesem Café nicht. Die Rechnung wies 18,20 aus. Ich gab dem Kellner 19,00 EUR. Fast wie automatisch murmelte der Kellner „Stimmt so?!“ – ich war mir nicht Sicher, ob es eine Frage oder eine Aufforderung zu Gabe von Trinkgeld sein sollte….


Fazit: Ich fand das Café ungemütlich und die Wiener-Melange war meiner Meinung nach die Schlechteste, die ich in ganz Wien getrunken habe. Der Preis für 2 Gedeck Sacher Torte und Wiener-Melange war allerdings mit 18,20 äh. 19,00 EUR noch im Rahmen dessen, was man in Wien ausgeben muss.

Meine Empfehlung: Wer gern eine original Sacher Torte in Wien probieren möchte, muss nicht unbedingt ins Cafe Sacher gehen – das Haus Sacher exportiert seine Torten auch in die umliegenden Cafés. Eine bessere Wiener-Melange kriegt man dort mit Sicherheit!

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philipp

Autor: philipp

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10 Gedanken zu „Eine Torte im Cafe Sacher Wien…oder: Sachertorte muss nicht sein.“

  1. Die Sachertorte ist für uns Wiener einfach unverzichtbar natürlich ein edler Gaumenschmaus. Es gibt aber auch einige gute Rezepte die dem der echten Sacher Torte schon sehr nahe kommen. In unserer Familie gibt es kaum ein Familienfest ohne die Sachertorte nach unserem alten Familienrezept.

  2. Siehste?
    Hättest Dich bei mir gerührt, ich hätte Dir gezeigt, wo man wirklich guten Kaffee bekommt, und wo man eine bessere Sachertorte bekommt, als im Hotel Sacher.

    Aber Du rauscht da so einfach in Wien an, machst einen auf Tourist und meldest Dich nicht?

    Sowas aber auch 🙂

    lg/Peter

  3. Hallo Peter,
    ich fahre im Juni nach Wien, verrate mir doch bitte wo soll ich einen guten Kaffee und die Sachertorte genießen?
    Vielen Dank
    Theo

  4. Hallo Theo,

    also Sachertorte kann ich Dir auch nicht so richtig helfen (ich glaube das Cafe Sacher beliefert sowieso die umliegenden Cafes mit Torte). Eine sehr gute Melange hab ich im Café Dunkelbunt (Hundertwasser Museum) getrunken…

    Philipp

  5. Hi,

    also ich wohn schon eine zeitlang in wien, und das sacher war mir bisher immer zu teuer – wie du sagst: tourists on tour!
    ich denk man bekommt überall in wien guten kaffee und torten, die vom sacher ist sowieso bei weitem nicht die beste weil sie für den transport gemacht wird und halt nicht wirklich zum genießen.
    ich würd andre cafes empfehlen wie zB das cafe sperl, oder das cafe diglas, auch alle ganz alte cafes, aber nicht ganz so „berühmt“ und auch nicht so „berüchtigt“ 🙂

  6. hallo,

    ich war am wochenende in wien und natürlich musste ich auch ein stück sachertrote essen… leider muss ich sagen, dass ich in meinem ganzen leben noch nie einen schokoladenkuchen gegessen habe der so wenig nach schokolade geschmeckt hat und dazu noch so süß war!
    ohne sahne war der kuchen nicht zu essen!! nee danke! wien ist eine super stadt und wien hat auch jede menge andere leckereien zu bieten. sachertorte kommt mir nicht mehr auf dem teller
    aber ich liiiiiiiiiiiiiiiiiiebe kaiserschmarn! ich lächel noch immer wenn ich daran denke 🙂

  7. Das ist doch bei allen so genannten Touristenfallen so. Da braucht man nicht nur an das Sacher denken. Ich erinnere mich noch mit Schaudern an meine letzte Pizza in Venedig, oder den Preis eines Espressos am Markusplatz.
    Die klassischen Wiener Kaffeehäuser sind sicher etwas besser.

  8. Hallo,
    bin durch eine Suche nach Kaffee auf dieser Website gelandet.
    Alles rund um Kaffee interessiert mich natürlich besonders weil mein Blog sich mit Kaffeevollautomaten oder auch einfachen Kaffeepadmaschinen wie der Krups Nespresso beschäftigt.
    Schaut doch mal vorbei unter:
    kaffeevollautomatentest.de

    Alles Gute
    Christoph

  9. Ich sag nur Cafe Demel – der eigentliche Erfinder der Sachertorte, gemütliches Cafehaus mit nettem Service und ruhigen Sitzecken …

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